kulturost

Zur Wahl

Dem Leser, der jetzt an einen weinerlichen Text über den Frust anlässlich leerer Wahlversprechen von Politikern, die an der Bevölkerung vorbei entscheiden etc. pp denkt, sei gesagt: Nix da!
Weiterlesen!
Dies ist doch nur eine kleine Anekdote, die ich so zu hören bekam! Ganz ehrlich, und ich würde sagen völlig harmlos. Kennt man ja, weiß doch jeder. Aber eben dieses kennt man ja ist es, ... schade, schade!
Nun denn: Es begann an dem Tag, an dem einige meiner Freunde zur Tugendringsitzung fuhren, um sich den dort Sitzung tätigenden Menschen solidarisch zu erklären. Der heilige Rat der Ältesten, bei uns Stadtordnerversammlung genannt, hatte doch gerade über sie ein scheinbar unwiderrufliches Urteil gefällt, frei nach, sie, die Stadtordner, seien hier doch eigentlich die Politiker, nicht irgendwer anders!
So machten die Nägel mit Köpfen und aus ist es in unserer schönen Stadt mit dem Rede- und Stimmrecht für alle außerblahblahmentarischen Gremien, Ausschüsse, Tugendringe und dergleichen. Wer Zeitung ließt müsste davon eigentlich schon gehört haben, deshalb spar ich mir es jetzt einfach mal, die Thematik näher zu erläutern. (der Setzer wird's mir sicherlich danken.)


Kampfstimmung wurde also von meinen Freunden (Ich, war nämlich nicht mit. Asche auf mein Haupt!) erwartet, da die Tugendringer doch unmittelbar betroffen sind. Aber nein, falsch gedacht! Hört, wie sie mir berichteten: Einem der Anwesenden, der sich für die Jugendlichen in unserer Stadt engagiere, machte es Bauchweh, weil die ach so eng geschnürten Fesseln seines Parteibriefes in so schmerzten, und er zwar mit schlechtem Gewissen, aber dennoch, diesem, der Demokratie ja eigentlich nicht so in echt schadendem, Urteil der Stadtväter zustimmen musste, ja, musste! So hat er das vielleicht nicht gesagt, aber Bauchweh wegen besagtem Fraktionszwang hatte er, das hat er gesagt. Armer Kerl, so jung, und schon so'n Ar...! Meine Freunde litten mit ihm mit!

Also leider keine Kampfesstimmung in Kleinbek, dafür eher Sprüche wie: Man müsse den Politikern in der Stadt eine Brücke bauen, anstatt eine Kluft zu reißen, und anderes Blah Blah. Nun denn, wen bis jetzt noch nicht, den wird auch folgendes nicht verwundern: War es ein Zufall oder der schiere Sarkasmus, der die Vertreter einer, zwar etablierten mir bis dato allerdings doch nicht bürgerfern scheinenden, Partei dazu veranlasste, einen Infoabend mit Livemusik und all so'm Zauber zu veranstalten, bei dem es, frei nach dem Motto "wir kriegen den Arsch hoch", um das Recht, ab 16 wählen zu müssen, ging. Da war ich zwar auch nicht, es hält mich aber nicht davon ab, weiter zu schreiben. Ätsch! Die Berichte über beide Ereignisse ließen mich ins Grübeln kommen. Ich stell mir das jetzt nämlich so vor:

Auch wenn kleine sowie große Politiker nix unversucht lassen um ungestört gegen und über meinen und deinen Kopf hinweg entscheiden dürfen zu können, darf ich mich trotzdem nur als mündigen Bürger bezeichnen, wenn ich dies mit meiner Stimme absegne. Recht so! Nur wer brav zur Wahl geht, der sorge für Veränderungen. Wer der Wahl fernbleibt, weil er der Meinung ist, daß es sowieso scheißegal ist, wer zu entscheiden hat welche Katastrophe als nächstes angezettelt wird, der schaue sozusagen nur zu, und ist dadurch gleich mit dran schuld. Genau! Das hat mich überzeugt. Die brauchen mich, und meine Meinung wollen die auch wissen. So kann ich die nächste Wahl kaum erwarten. Dieses mal bleibe ich nämlich nicht zu Hause, dieses mal gehe ich hin! Ich gehe also hin, nehme den Wahlzettel und,... was soll ich machen? Ihn anzünden?!

Ps: So was Haarsträubendes kann doch nur erfunden sein, oder?

Gruß, Stefan

 

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