Wetterumschwung
im JUZ Reinbek
Seit neuestem weht ein kalter Wind im sonst so
freundlichen JUZ Reinbek.
Im September letzten Jahres gab es einen Personalwechsel im JUZ Reinbek; ein
neuer Sozialpädagoge hat als Leiter seine Arbeit aufgenommen. Die Stelle wurde
neu ausgeschrieben, nachdem der langjährige Hauptverantwortliche Uli Siebert
gekündigt hatte. Obwohl mehr als ein Dutzend Bewerbungen eingingen, wurde nur
eine Person zum Vorstellungsgespräch eingeladen.
Die Vorgehensweise bei einer Neubesetzung dieses Postens im JUZ Reinbek läuft
normalerweise wie folgt ab: Der/Die BewerberIn stellt sich vor; die
Jugendlichen, die AWO als Träger des Jugendzentrums und die Stadt Reinbek haben
je eine Stimme und können sich für oder gegen den/die BewerberIn entscheiden.
Nur bei einer einstimmigen Entscheidung wird der/die BewerberIn eingestellt. Den
Jugendlichen, die an diesem Vorstellungsgespräch teilgenommen haben, wurde vom
Leiter der AWO zugesichert, dass man sich zum Ende der Probezeit in der gleichen
Konstellation noch mal wieder trifft und neu berät. Dies wird ihnen nun
verweigert.
Der neue Mitarbeiter des JUZ Reinbek hat bereits wenige Wochen nach seinem
Arbeitsantritt damit begonnen, das Jugendzentrum nach seinen Vorstellungen
umzugestalten – ohne auf die Bedürfnisse und Interessen der Jugendlichen, die
regelmäßige BesucherInnen des Jugendzentrums waren, einzugehen. Die
Jugendlichen haben das Gefühl, dass sie dort nicht mehr selbstbestimmt agieren
können. Mittlerweile geht ein Großteil von ihnen nicht mehr ins JUZ.
Neue Strukturen im JUZ
Noch bei seinem Vorstellungsgespräch sprach der neue Sozialpädagoge davon,
dass er die bestehenden Strukturen im JUZ erhalten möchte.
Mitte Dezember fand jedoch eine Informationsveranstaltung statt – ausgerichtet
von dem neuen Sozialpädagogen und der AWO als Träger des Jugendzentrums. Darin
wurden die Jugendlichen über die neuen Strukturen informiert:
An verschiedenen Punkten scheint Kritik an
diesem neuen Konzept angebracht.
Bei der Festlegung der Altersgrenze für die Gremienarbeit entsteht der
Eindruck, dass sich einiger Jugendlicher, die Kritik an den Vorgehensweisen des
neuen Sozialpädagogen geübt haben, entledigt werden soll. Viele dieser
Jugendlichen, die vorher lange Jahre ehrenamtlich Veranstaltungen im JUZ
durchgeführt haben, sind mittlerweile über 21. Nach dem Kinder- und
Jugendhilfegesetz (KJHG) sind die Träger der Jugendarbeit allerdings dazu
verpflichtet, in Jugendzentren mit Jugendlichen sowie Jungerwachsenen zu
arbeiten. Nach dem KJHG gilt man bis zum Alter von 27 Jahren als
Jungerwachsene/r.
Ein weiterer Punkt ist die Gremienarbeit überhaupt. Die Bereiche, in denen sich
Jugendliche engagieren können, sind vorab – von „oben" – festgelegt.
Eigeninitiative und selbstverantwortliches Handeln werden somit stark eingeschränkt.
Jugendliche können nicht mehr – wie es vorher der Fall war – nach ihren
Interessen aktiv werden, sondern müssen sich in eine vorgegebene Gruppe einfügen.
Anfangs fand sich eine Jugendliche, die sich bereit erklärte, ehrenamtlich das
Booking zu übernehmen. Als sie hörte, wie restriktiv Veranstaltungen durchgeführt
werden sollen und dass sich der neue Sozialpädagoge in jedem Fall die letzte
Entscheidung über die Auswahl der Bands oder anderer Künstler vorbehalten
wolle, ist sie sofort wieder gegangen.
Bei der ersten Live-Veranstaltung, die der neue
Sozialpädagoge hauptverantwortlich leitete, wurde ein maximaler Alkoholkonsum für
die MitarbeiterInnen, die dort ehrenamtlich arbeiten, festgesetzt – ohne dass
es vorab irgendwelche Probleme mit Alkohol gab. MitarbeiterInnen wurde
angedroht, dass ihnen „gekündigt" werde falls sie sich an diese
„Vereinbarung" nicht hielten.
Bedauerlicherweise wurden diese und andere Gespräche mit Jugendlichen oftmals
lautstark geführt.
Eine 17jährige Jugendliche musste sich im Rahmen so eines „Gespräches"
dann auch anhören, dass sie ja nun auch bald aus dem JUZ herausgewachsen sei.
Außerdem wird oftmals versucht, Jugendlichen ein Gespräch über Drogen aufzudrücken
und nicht mit Mutmaßungen über Drogenabhängigkeiten der jeweiligen Personen
gespart. Andererseits besteht von Seiten des Sozialpädagogen kein Interesse
daran, was mit den Jugendlichen geschieht, die (reichlich) Alkohol konsumieren
und/oder ein Drogenproblem haben und nicht ins JUZ kommen. Dies sei nicht seine
Klientel und die Arbeit mit solchen Jugendlichen gehöre nicht in sein
Arbeitsverständnis.
Man fragt sich wirklich, welche Jugendlichen sich von diesem neuen Konzept und
den Umgangsweisen im JUZ hinterm Ofen hervorlocken lassen. Diejenigen
Jugendlichen, die lange Zeit BesucherInnen des JUZes waren, fühlen sich
jedenfalls verprellt.
Die AWO ist – wie bereits erwähnt – Träger des JUZ Reinbek. Sie hatte den Jugendlichen ein Gespräch am Ende der Probezeit des neuen Sozialpädagogen zugesichert – und zwar in der gleichen Konstellation wie beim Einstellungsgespräch. Nunmehr wird dieses Gespräch verweigert. Die Begründung lautet, dass zuerst ein demokratisch gewähltes Gremium eingerichtet werden müsste, und solange dies nicht geschehe, gäbe es kein Gespräch. Hierbei kann man sich die Fragen stellen, wer ein solches Gremium einrichten soll und warum man sich nicht einfach in der Konstellation wieder treffen kann, wie beim Einstellungsgespräch. Die Antworten kann man vermuten; genaueres weiß aber nur die AWO.
Der Verein Jugendkultur hat lange Jahre im JUZ
Reinbek Live-Veranstaltungen durchgeführt und möchte dies auch weiterhin tun.
Der Verein war einige Zeit nicht aktiv; dies soll sich nach einer
Mitgliederversammlung im Februar jedoch wieder ändern, um im JUZ Reinbek bzw.
in Reinbek überhaupt alternative jugendkulturelle Akzente zu setzen. Die
kulturelle Vielfalt und das selbstbestimmte Handeln von Jugendlichen stehen hier
im Mittelpunkt. Konzerte sollen wieder von Jugendlichen für Jugendliche unter
eigener Verantwortung durchgeführt werden.
Damit der Verein seine Arbeit wieder aufnehmen kann, müssen jedoch noch einige
Hürden genommen werden: Die Ton- und Licht-Anlage des Vereins befindet sich im
JUZ Reinbek. Sowohl der neue Hauptverantwortliche des JUZ Reinbek als auch der
AWO-Vorstand bestreiten, dass es den Verein Jugendkultur noch gibt und dass
dieser die Rechte über diese Anlage besitzt.
Für die Unterstützung des Vereins Jugendkultur und damit die Gewährleistung einer kulturellen Vielfalt in Reinbek ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen zur Mitgliederversammlung am 21. Februar 2002 um 19.00h ins Unser Haus e.V. (Café Flop), Wentorfer Str. 26 (2.Stock) kommen.
Zur Titelseite
jhz, 09.04.02