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Star Treck
"Sichern und laden", sagt Data an einer Stelle im neuen Star Trek Film (Der Aufstand) und lässt damit den aufmerksamen Zuschauer erneut an seinem Gesundheitszustand zweifeln. Hatte sich doch sein vermeintliches technisches Versagen von Anfang des Films schnell als technisch (und moralisch) einwandfreies Funktionieren herausgestellt. Muss man erneut um Datas "Gesundheit" bangen?
Technisches Versagen ist der Trekkie tatsächlich nicht gewohnt. Die Technik der Enterprise funktioniert in der Regel großartig - zu großartig. Tritt uns in vielen (den meisten?) anderen Science Fiction-Filmen das Raumschiff als eine übergroße Maschine entgegen, die der lenkenden Hand des Menschen, wenn überhaupt, nur noch in Ausnahmesituationen bedarf, so hat die Enterprise eher den Charme eines Bürohochhauses, komplett mit Fahrstuhl und Fluren.
Kein Bereich der Enterprise ist für den Menschen unzugänglich und selbst die entlegensten Abschnitte sind durch voll atmosphärisierte und beleuchtete Jefferies-Röhren erreichbar. Im neuen Star Trek-Film hat sogar der offenbar unbemannt arbeitende Kollektor atembare Atmosphäre und künstliche Schwerkraft.
Man könnte das als fortschrittlich humane Technik deuten oder auch nur als filmisches Zugeständnis (wer steckt schon seine teuren Serienstars gern in Raumanzüge?), wenn nicht diese und weitere Charakteristika von Star Trek in auffälliger Weise den technischen Entwicklungen der Moderne zuwiderliefen. Tatsächlich ist doch die technische Evolution gerade dadurch bestimmt, daß sie den Menschen in immer mehr Bereichen ersetzt, weil sie die dort nötigen Aufgaben besser und zuverlässiger erfüllt. Die Dampfmaschine überflügelte den Menschen an Kraft, der Computer schickt sich an, ihn intellektuell zu übertrumpfen. Die technische Moderne ist also gerade durch die Verdrängung des Menschen bestimmt. Natürlich funktioniert bei Star Trek nicht alles, eigentlich fast gar nichts, ehe es nicht von Menschenhand "modifiziert" wurde. Dieses Modifizieren, Remodulieren, Neuausrichten, etc. ist fester Bestandteil des Mensch-Maschine-Verhältnisses bei Star Trek. Die Maschine bleibt letztlich in ihrem Funktionieren vom Menschen abhängig, da sie offenbar unfähig ist, sich wechselnden Verhältnissen anzupassen. Auch Reparaturroboter suchen wir vergebens, der Mensch kann und muss alles selbst reparieren. Kurz: Die Star Trek Maschine befindet sich in einem Zustand infantiler Hilflosigkeit. Wir werden beim Thema Androiden noch darauf zu sprechen kommen.
Zunächst aber ein Blick auf den Star Trek Menschen. Die angeblich über 1000 Mann starke Crew dient bei TNG nur noch der Bevölkerung der Bar (bei Cpt. Kirk brauchte man noch welche, um sie bei Landgängen abzuschießen). Alle technischen (und sonstigen) Aufgaben werden von den Brückenoffizieren wahrgenommen. Auch hier wieder ein klarer Zug der Antimoderne. Denn die Moderne zeichnet sich gerade durch fortschreitende Differenzierung aus, die auch die Maschinenbedienenden Menschen zur Spezialisierung zwingt. Der Mensch der Moderne ist in weiten Bereichen seiner Existenz abhängig von technischen Prozessen und menschlichen Experten, die er nicht kennt und nicht versteht. Von der Steuererklärung bis zur Autoreparatur ist die Zunahme der technischen und sozialen Komplexität begleitet von der Abnahme der persönlichen Kompetenz. Nur nicht bei Star Trek. Aus gleichem Motiv mag auch der in der Moderne beobachtbare Expertenkult erwachsen. Der "Experte" oder "Profi" wird zu allen Themen gern und oft befragt. Ob Eisenbahnunglück oder milder Winter, ohne Experten sind wir zu keiner angemessenen Lageeinschätzung mehr fähig. Bei Star Trek hingegen begegnen uns echte Allround-Genies. Medizinisches und psychologisches Personal gehen mit Phasergewehren ebenso selbstverständlich um, wie Cpt. Picard mit brandneuer Sona-Technik.
Charakteristisch für Star Trek ist auch das pseudo-technisch-physikalische Kauderwelsch, das immer wieder zur Begründung selbst einfacher physikalischer Zusammenhänge herangezogen wird. Dies wiederum ist uns nicht fremd, sind wir es doch auch in der Gegenwart gewohnt, von Becquerel, Deflationsgefahr und probiotischem Joghurt zu sprechen (weiß eigentlich jemand was "Frühstückscerealien" sind?). Wir kompensieren unsere reale technische Entmündigung mit der sprachlichen Aneignung unverstandener technischer Prozesse und können uns so mit den Star Trek Experten mühelos identifizieren.
Doch kommen wir noch mal zurück auf die infantile Technik. Ein Artikel über das Mensch-Maschine Verhältnis bei Star Trek wäre nicht komplett ohne ein paar Worte über Data. Das Motiv des menschlichen Androiden ist nicht neu, schon in Star Wars treten mit R2D2 und C3PO zwei Androiden auf, die weit entfernt sind vom "Übermenschen" eines Terminator. Im Gegenteil, sie sind hilflos und unbeholfen wie Kinder. Während R2D2 mit seinem gedrungenen Körper und den kurzen Beinen die physische Seite der Infantilisierung darstellt, steht C3PO mit seiner übertriebenen Ängstlichkeit für die psychische Seite.
Data hingegen ist eher sozial infantil. Die kulturellen und sozialen Verhaltensweisen sind ihm fremd, er benimmt sich daneben und lernt angemessenes Verhalten wie ein Kind. In Star Trek - Der Aufstand freundet sich Data mit einem kleinen Jungen an. Der Junge beneidet Data um seine Selbstbestimmung (eine Farce, denn als Data zuvor selbstbestimmt handelte, wurde er gerade unter Ausnutzung seiner Maschinennatur matt gesetzt) und Data das Kind um seine Anpassungsfähigkeit (an wechselnde Beinlängen). Hier begegnet uns das Grundproblem der Star Trek Technik wieder: ihre Unfähigkeit zur adäquaten Situationsanpassung. Dem gegenüber steht der Mensch als nie überforderter Profi, der alle Situationen spielend meistert. Dies ist das umgekehrte Bild der technischen Moderne, in der der Mensch der zunehmenden Komplexität seiner Lebensumwelt immer weniger gewachsen ist und sich durch Maschinen und Computerprogramme helfen lassen muss.
Die Utopie von Star Trek ist also nicht im eigentlichen Sinne Science Fiktion, sondern eher Sozialromantik der Vormoderne. Das zeigt sich auch in den dargestellten "Paradieswelten", die sich durch technikfernes und wenig komplexes Bauernleben auszeichnen. Star Trek ist die Utopie der amerikanischen Siedler der Vormoderne, die durch Rückbesinnung auf menschliche und spirituelle Tugenden wie Einfachheit und Bescheidenheit den Moloch Europa hinter sich ließen, um die "Neue Welt" zu besiedeln. Nur daß die Naturbeherrschung im Weltraum um die technische Allmachtsphantasie einer naiv erlebten Moderne erweitert wurde.
Live long and prosper - FMH
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