kulturostStammzellenforschung
oder: Wie erlange ich das Ewige Leben?

Ein Traum.

Schlimme Krankheiten sind kein Schreckgespenst mehr.

Das erkrankte Organ wird einfach ersetzt. Durch ein Ersatzteil, das aus Stammzellen - gewonnen aus überschüssigen Reagenzglas-Zeugungen - nachgezüchtet ist! Genial! So könnten wir immer weiterleben, bis in alle Ewigkeit.

Wirklich???

Ich wage zu bezweifeln, dass das geht.

Denn Nieren, Blut- oder Hirnzellen sind vielleicht austauschbar, aber was ist  z. B. mit dem Fett- und Bindegewebe? Der ganze, alternde und nach und nach kränkelnde Mensch ist wohl kaum erneuerbar. Und wenn, dann würde das wohl ein ganz schönes Flickwerk. Und Flickwerk hält meist auch nicht ewig.

Vor allem müsste es ja ein komisches Gefühl sein, dann gänzlich in einem (oder mehreren!) anderen Menschen zu stecken, aus dessen Stammzellen mein neuer Körper gemacht sein würde... Was das dann wohl für einer gewesen wäre? - Vielleicht wäre er gerne Moped gefahren, wo ich das doch gar nicht mag. Oder er hätte gar Skat spielen wollen. Abscheulich! Wie gut, dass ich ihn nicht mehr würde fragen können. Denn er hätte ja nie gelebt. Er würde ja auch nicht gefragt worden sein, ob er gerne gelebt hätte, oder ob er gerne Ersatzteilspender für andere Manschen geworden wäre, die leben dürfen.

Ob er trotzdem etwas davon merken würde, dass seine Zellen in mir weiterlebten und einem gänzlich anderen Willen als dem seinen unterworfen wären? Hätte er vielleicht dennoch gar eine Seele - obwohl nie geboren - ,die an seine Zellen gebunden zum ewigen Weiterleben in Sklaverei für die glücklichen Geborenen verdammt wäre? Mit welcher Schuld könnte er das verdient haben? Könnte ich meine Schuld ihm gegenüber (für die Benutzung seiner Zellen) damit rechtfertigen, dass er sicherlich ein ganz schlimmer Verbrecher in seinem vorherigen Leben gewesen sein müsste, weswegen er sich sicherlich glücklich schätzen müsste, nicht als Amöbe wiedergeboren worden zu sein? Weiß ich denn, ob es so etwas wie Wiedergeburt überhaupt gibt? Vielleicht fristete er sein einziges ihm gegebenes Leben nun auf ewig als Ersatzteilspender. Wäre es da nicht besser für ihn gewesen, man hätte seine Zellen in Ruhe sterben lassen, als sich im Bauch seiner Mutter kein Platz für ihn fand?

Und aus so jemandem soll ich zukünftig ganz oder teilweise gemacht sein? Doch ein irgendwie komisches Gefühl.

Der Höflichkeit halber müsste ich ihn dann ja eigentlich immer fragen, ob er jetzt auch Steak essen will, zu Bett gehen will oder sich mit meinen Freunden treffen will. Geht ja aber leider nicht.
Ist ja auch eigentlich WURSCHT, nicht?
Hauptsache, ich kann ewig leben und meinen Spaß haben! Die Stammzellenspender können ja nix sagen, also was soll’s!
Natürlich kostet das alles auch furchtbar viel Geld. Erst die Stammzell-Forschung, dann die Organ-Züchtungen und zuletzt die Transplantationen, also die „Montage“. - Daß von diesem Zaster Millionen hungernder Kinder gerettet werden könnten, - ist mit doch auch egal!!! Ich muss das Elend ja nicht angucken...
Hauptsache ICH lebe und habe meinen Spaß!
Angst vor dem Tod???
Muss ich nicht mehr haben.
Oder doch?
Was ist... was ist, wenn ich einen UNFALL habe, einen ganz schlimmen, und ich sofort tot bin?
Oh Gott, was ist dann?

(PS: Ich hab da noch so ‘ne Idee:

Für den Fall, dass das mit der Wiedergeburt doch stimmt.
Dann könnten wir jetzt mal dem Bush ordentlich helfen, die ACHSE DES BÖSEN auszurotten.
Und wenn dann die Bösen alle wiedergeboren - also wiedergezeugt - würden, machten wir sie flugs alle zu Stammzellspendern!! Dann hätten wir zwei Fliegies mit eine Klappe: Keine Bösen und keine Kranken mehr!!! YEAAAH!)

(am)

WB01728_.gif (149 Byte)Zur Titelseite    jhz09.04.02