Spielwelt
Was ist das - Fantasy- Rollenspiel?
Die zwei Bestandteile dieses zusammengesetzten Hauptwortes definieren es ziemlich genau: es geht zum einen um die Literaturgattung Fantasy, also um das, was sich in Welten voller Zauberei, tollkühnen Schwertkämpfen, Drachen und anderen mythischen Wesen abspielt, und zum anderen um Rollenspiel.
Rollenspiel bedeutet, daß die Spieler die Rollen der Charaktere in einem Fantasyl- Abenteuern (wie z.B. der Unendlichen Geschichte oder dem Herr der Ringe) übernehmen. Wie Romanhelden agieren Sie in einer imaginären Welt und bestimmen durch ihre Handlungen den Verlauf und Ausgang der Geschichte.
Normalerweise (...) übernehmen die Spieler die Rolle der Guten; der Protagonisten. Ihre Widersacher, die Monster, Räuber und andere Schurken werden vom Spielleiter übernommen; dieser übernimmt auch alle anderen Rollen, wie z.B. den König, die Wirtin oder den fahrenden Barden, und ist der Erzähler der Abenteuer-Geschichte. Der Spielleiter kennt seine Handlanger und er weiß, welche Ziele sie verfolgen; darum kann er den Spieler mitteilen, wie ihre Umwelt auf sie reagiert. Aus den wechselseitigen Beschreibungen von Aktionen und Reaktionen entsteht dann das, was allgemein als Rollenspiel bekannt ist.
In der Praxis könnte das Ganze dann folgendermaßen ablaufen: Am Wochenende treffen sich Nina, Jens, Flo und Dirk zu einem Spieleabend. Aber statt einer weiteren Partie Siedler haben sie beschlossen, mal wieder Rollenspiel zu machen. Nina übernimmt die Rolle der Kundschafterin Lea, Jens wird Dorgon Rak, der Kopfgeldjäger, Flo schlüpft in sein alter ego als Sharon der Waldläufer und Dirk übernimmt als Mister Zuverlässig (immer ein gutes Abenteuer parat) das Amt des Spielleiters.
Lea, Dorgon und Sharon haben sich von ein paar Bauern dazu überreden lassen, einer Bande von Strauchdieben das Handwerk zu legen, die in der Nähe des Ortes ihr Unwesen treibt. Die drei haben sich ein wenig umgehört, und herausbekommen, daß ein einsames Gehöft in der Nähe des Ortes als Unterschlupf der Bande dienen könnte. Die drei Gefährten marschieren über die Landstraße; sie haben den Hof fast erreicht. Spielleiter (in folgenden als SL abgekürzt): Die Straße steigt einen Hügel hinauf. Von der Kuppe könnt ihr ein kleines Tal überblicken, in dem, von hohen Rosskastanien fast verdeckt, ein Fachwerkhaus mit ein paar Nebengebäuden steht.
Jens: Kommt Rauch aus dem Kamin?
SL: Ja, eine dünne Rauchfahne ist zu sehen.
Nina: Die Schurken sind also zu Hause! Lea nimmt ihren Bogen von der
Der Ausgang dieser Szene ist völlig offen; es wäre denkbar das die Gruppe die Räuber findet und bezwingt, was nicht unbedingt bedeutet, diese zu bekämpfen und zu töten, es wäre genauso gut denkbar, die Räuber mit einer List zur Aufgabe zu bringen. Ein weitere Variante des SL könnte es auch vorsehen, daß die Gruppe in das Bauernhaus stürmt, zum Kampf gewappnet, nur um sich dort mit einer verdutzten Bauerfamilie konfrontiert zu sehen. Die Bandbreite des Fantasy-Rollenspiel reicht dabei von Da ist der Drache, da die Prinzessin und dort der Schatz (= Drachen töten + Prinzessin heiraten + Schatz/halbes Königreich abstauben) bis zu hoch komplexen Kriminalabenteuer á la Sherlock Holmes, bei denen im Extremfall der Bösewicht noch Mitleid erregt, da sein ganzes Handeln von seiner schlimmen Kindheit und seinem Ödipus-Komplex geprägt ist. Die wohl bekannteste aller Fantasy-Welten ist Mittelerde aus dem Herr der Ringe von J.R.R. Tolkien, aber auch Micheal Morcocks Elric, sowie Anne Rices Interview mit einem Vampir haben ihre Entsprechungen auf Rollenspielseite gefunden. Ohne direktes literarische Vorbild kommen die meisten Fantasy-Spielwelten aus, z.B. Aventurien, der Kontinent des deutschen Rollenspieles Das Schwarze Auge ist ein Sammelsurium aus verschieden Epochen der Geschichte (vom Mittelalter bis zur Renainsance) vermischt mit den Wesen und Völkern des Fantasy-Genres und einem Schuss Märchen.
Nicht nur die Spielwelten sind mannigfaltig, sondern auch die Spielregeln der verschiedenen Spiele variieren: das Shadowrun Regelwerk sieht den Gebrauch gewöhnlicher sechsseitiger Würfel vor, Das Schwarze Auge benutzt 6- und 20seitige, MERS, daß Mittelerde-Rollenspiel benutzt gar 10- und 100seitige Würfel und D & D (Dungeons & Dragons) sowie AD & D (Advanced Dungeons & Dragons) die wohl als Urahnen des Rollenspiels gelten dürfen bediene sich fast aller erdenklichen Kombinationen von Würfeln, vom 3-, 4-, 8- bis zum 66seitigen.
Der Nenner aller Regelwerke ist aber, daß den einzelnen Charakteren Fähigkeit und Erfolgswahrscheinlichkeiten zugeordnet werden, anhand derer sich Erfolg oder Misserfolg von Aktionen der Spieler bestimmen lassen. Im Laufe mehrerer Spielabende ist es dem Spieler möglich in seiner Rolle dazu zu lernen und so die Fähigkeiten seiner Rolle zu erweitern und zu verbessern; am Ende dieser Entwicklung sind die meisten Rollen ähnlich abenteuertauglich wie Indiana Jones oder McGyver. Soviel zum Thema Fantasy-Rollenspiel, ich hoffe, daß diese Beschreibung verständlich ist, und das alle erfahrenen Rollenspieler meiner Version halbwegs zustimmen können. Ich kann jedem, der noch nie an so einem speziellen Spielabend teilgenommen hat, nur empfehlen, es einmal auszuprobieren; aber Vorsicht: wenn der Teil des Gehirnes, der für das fantastische Vorstellungsvermögen zuständig ist, erst einmal geweckt ist, will er auch weiter beschäftigt werden...
Bis dann, euer Timo
PS: So, jetzt noch etwas in eigener Sache: Dieser Artikel ist vielleicht der Beginn einer Serie rund ums Spielen; nun, zumindest werden noch zwei oder drei Artikel folgen. Sollte darüber hinaus noch Interesse bestehen, ist auch mehr drin. Darum bitte ich Dich, als LeserIn dieses Artikels, mir Deine Meinung mitzuteilen! Kritik und Themenvorschläge, aber auch Nachfragen sind hochwillkommen!
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