Schummelpackung
oder
Phönix aus der Asche
Wussten sie schon, daß die Verkehrsbetriebe Hamburg - Holstein AG (VHH) über eine eigene Kapelle verfügt? Jene wird am 1. Juni mit "Uff - ta - ta" in Reinbek Einzug halten. Grund: die Erlösung vom Diesel - Shuttle und das Warten auf die S - Bahn, die um 15.53 Uhr erwartet wird. Reinbek feiert mal wieder, genannt wird das ganze "S-Bahn Comeback-Fest". Die Strecke Bergedorf - Reinbek soll fertig sein und gerade am 1. Juni kräftig genutzt werden. "Reinbek lädt Bergedorf ein", eine Aktion, der zugrunde liegt, daß die Fahrten zwischen Reinbek und Bergedorf kostenlos sind, natürlich nur bis 18.00 Uhr, wir wollen ja nicht übertreiben. Und wenn Reinbek feiert, stehen üblicherweise alle Türen offen. So wird man ab 14.30 Uhr an diesem Sonntag auch die Geschäfte der Bahnhofstraße betreten können, eine Idee des Gewerbebundes. Vergessen werden sein die Bedürfnisse auf Ruhe im eigenen Wohngebiet, der Lärmschutz ist errichtet, Reinbek gibt sich weltoffen und freut sich auf den wiedergewonnenen Weg zum "Tor zur Welt". Schließlich hat Hamburg, praktisch gesehen, größeren Einfluss auf Reinbek als die Landeshauptstadt Kiel. Aber das war auch noch nicht alles an Festivitäten: Der "Rasende Roland" wird mit 25 km/h zwischen Ortsmitte und Bahnhof pendeln. Na, wenn das nicht eine brillante Alternative zum Fußweg von 5 Minuten ist! Es wird angekündigt, daß der Bahnhof dann auch neu gestaltet sein wird. Schicke Idee! Nur sehe ich z.Zt. noch ausschließlich eine Baustelle. Einziger Hoffnungsschimmer diesbezüglich ist das Angebot an jüngere, sich an einer großen Malwand auszulassen, die womöglich auf dem "Hausbahnsteig" oder in Bahnhofsnähe ihren Bestand erhalten wird. Als Highlight wird die Versteigerung von "antiken" Keramikbahnschildern für 15.30 Uhr vor der Sparkasse Stormarn ausgerufen, wobei es sich dabei um die alten Bahnschilder handelt, die vor der Bauphase an Strecke und Bahnhof den Ort angaben und eh nicht mehr eingesetzt werden, da die Deutsche Bahn doch neu designed hat. Immerhin ein Entgegenkommen für patriotische Sammler von Eisenbahn - Allerlei. Wenn Reinbek feiert, lassen sich dann auch Stadtorchester und der TSV Reinbek ihr Erscheinen nicht nehmen. Mit Sicherheit werden auch unsere Kommunalpolitiker und diverse Gefolgsmenschen durch Anwesenheit glänzen. Und da haben wir alle wieder beisammen, die Reinbeks Feste nun mal bestreiten: Stadt Reinbek, Interessengemeinschaft Bahnhofstraße, Gewerbebund, TSV, Sparkasse, Stadtorchester.
Ich frage mich, ob Reinbek nach dreijährigem Entzug wirklich wieder Hunger auf die S-Bahn hat, oder ist es nur ein Vorwand, um zu feiern, was ich schon eher glaube. Plötzlich munkelt man von zukünftig seligen Fahrgästen, und da strahlen sogar einige Gesichter, wenn sie das Wort "Bahn" hören, und sie überstrahlen doch einiges.
Es ist nicht wenig ungeklärt: Viele Reinbeker werden ärgerlich sein, wenn durch das "Comeback" der S-Bahn die E36 Buslinie wieder verschwinden wird, das Thema ist wie selbstverständlich nie angefasst worden; lag es wirklich nur am Verlust der S-Bahn, daß die Geschäfte in Reinbek Defizite aufweisen, ja zum Teil schließen mussten; das ganze Bahnhofsgelände würde ich eher als Übungsplatz für Mountainbike-Fahrer beschreiben, und die ganzen Ideen der Gestaltung in den letzten Jahren sind öffentlich nicht so konkret erörtert worden; die damals schon bestehenden und später lediglich eingeschlafenen Fragen nach Verlängerung des S-Bahn - Betriebes oder die Anbindung an das Nachtbusnetz werden wieder aufwachen und sich als wieder mal ungelöst und aufgeschoben herausstellen; die Stellungnahme zum "Transrapid" aus Reinbeker Sicht halte ich für sehr transparent, obwohl durch die Nähe des Schienenweges Hamburg - Berlin über Sinn und Unsinn eines solchen Finanzungetüms durchaus konkreteres zu erläutern sein müsste, schließlich wurde Reinbek mit dem Ausbau der Verkehrsdichte nach Berlin direkt konfrontiert, dies war immerhin der Grund, warum die Haltestellen östlich von Bergedorf vom Strom abgekapselt wurden.
Lenkt man bei einer Konzentration auf eine angebliche Problemlösung mit Anschluss an ein Fest nicht ungemein von vielleicht damit zusammenhängenden, internen Fragen ab? Feste können blind machen. Sicher, bei aller Arbeit und allem Stress soll man sich zwischendurch auch mal 'ne Party gönnen. Nur sehe ich bezüglich der Neuerscheinung der S - Bahn keine Wiederauferstehung Reinbeks Zufriedenheit, mir ist das alles zu unausgegoren. Das Fest erscheint mir eher wie ein für Reinbek fast typisches Ablenkungsverfahren.
Viel Spaß!
Ute