leer.h1.gif (1560 Byte)Einkaufsparadies

Na endlich", mit diesem Stoßseufzer quittieren Menschen aller Facon die Einführung der neuen Ladenöffnungszeiten: .Na endlich, länger einkaufen ... !" Eine eigentümliche Koalition aus NieZeit-Habern ausstaffiert entweder mit Handy, Kinderwagen, Premiere, -Decoder, Stechkarte sieht seit Anfang November frohgemut einer entspannteren Zukunft entgegen. "Na endlich, länger einkaufen!" Und länger einkaufen bedeutet diesen Menschen vor allem, daß sie nun, da die Geschäfte bis 20 Uhr geöffnet haben, überhaupt einkaufen können. Vorher hatten sie ja kaum Zeit dafür und mussten Umwege in Kauf nehmen oder in der Mittagspause oder schnell nach Feierabend oder halt aus der Tiefkühltruhe oder an der

Tankstelle oder nur am Wochenende oder heizen oder halt überhaupt nicht... einkaufen war ein ständiges Problem, da unbequem.

Ich find's auch prima, daß die Innenstadt jetzt auch nach acht noch verstopft ist und der nervöse Rhythmus der geschäftlichen Welt sich mit hechelnder Zunge in die Abendstunden hinüberrettet. Das freude(neon)strahlende Kauf- Mich- Lächeln der Schaufensterauslagen wird eingefroren, damit sich auch die Letzten noch einen kapitalistisch blasen lassen können. Schon tönt da der Ruf nach mehr; und es wäre der erste, der nicht gehört würde.

Hier weint kein Sozialromantiker den Zeiten nach, als Tante Emma um zwölf Uhr für zwei Stunden den Laden schloss zur Mittagspause und als Einkaufswagen noch nicht auf Parkplätzen angekettet wurden. Es ist nur so, daß dieses zufriedene "Na endlich, länger einkaufen den erleichterten Mündern der gestressten Konsumenten so klingt, als habe man ihnen neue Freiräume geschaffen, mehr Zeit gegeben, Möglichkeiten eröffnet Dabei stehen die Türen der Geschäfte doch nur darum länger offen, um uns noch ein wenig gründlicher gefangen zu nehmen, um die alltägliche Fahrt im kapitalistischen Karussell noch etwas schwungvoller zu machen und um den möglichen Rückzug vom wirtschaftlichen Betrieb noch ein Stück schwieriger zu gestalten. Keine Frage. Die Durchkonsumierbarkeit der Tage wäre auch ohne längere Öffnungszeiten gesichert. 24 Stunden Glotze, 24 Stunden Pizza-Service, 24 Stunden Telefon-Sex, 24 Stunden Internet und wenn die Börse in New York schließt öffnet die in Tokio. Schon klar. Was mich stört ist nur mal wieder das Maskenhafte bei der generösen Geste des langen Shopping-Day. "Wir sind für Sie da - jetzt noch länger!" Aber man kann wohl kaum verlangen, daß Boutiquen, Bäckereien, Hifi-Verkäufer oder SB-Märkte Schilder aushängen wie: "Ätsch, jetzt ziehen wie euch auch noch von sechs bis acht den letzten Pfennig ans der' Tasche." Bezeichnender scheint ich die Reaktion der Konsumenten. Außer ein paar Mitleidsbekundungen für Verkäuferinnen, die später arbeiten müssen, oder für kleine Betriebe, die vielleicht nicht durchhalten, gibt es nur Zustimmung: "Na endlich, länger einkaufen." In Amerika kann man das ja auch... und da kann man noch ganz andere Sachen.