OFFENER
BRIEF
“Würden Wahlen etwas verändern, dann wären sie verboten!“
Wir haben mit Erschrecken vernommen, dass im Flop eine Parteienveranstaltung zum Anlass der Hamburger Bürgerschaftswahlen am 23. September stattfinden soll. Dazu wollen wir, Gäste, ehemalige Mitarbeiter und am Projekt eines selbstverwalteten Jugendzentrum Interessierte, gern Stellung nehmen.
‘Unser Haus e.V.! wurde vor über 15 Jahren von politisch aktiven Menschen erkämpft, damit ein Freiraum entsteht, indem sich Leute aus der alternativen Szene treffen konnten, jenseits von Kommerz und Bevormundung. Sinn dieses Projektes war, ist und sollte es heute noch sein, Selbstverwaltung zu leben und zu vermitteln. Inhalt der Selbstverwaltung war nicht nur das Cafe selber zu leiten, sondern auch ein Beispiel für eine gesellschaftliche Organisation zu geben, die ohne politische Bevormundung von politischen Instanzen wie Parteien und ohne Profitstreben auskommt. Gemeint sind Organisationsformen wie der Hausrat, Entscheidungen nach dem Konsensprinzip, usw.
Dieses hat ‘Unser Haus e.V.‘ auch immer nach außen vertreten und war, unserer Meinung nach, auch gerade deshalb Anziehungspunkt für viele Leute. Seit der Existenz des Hauses war es auch immer Treffpunkt und Organisationsstätte für linksorientierte Gruppen und ein Ort für Leute, die abseits des gesellschaftlichen Zwangs zusammenkommen wollten (Antifa, Punks, OI-Skins, Anti-AKW-Bewegung, Frauengruppen). Also ein Ort, wo bevormundende, bzw. herrschaftsorientierte politische Instanzen und Institutionen nichts zu suchen hatten und haben.
Wir stellen fest, dass diese Ideale, dieser Konsens von einigen Personen über Bord geworfen werden soll, indem sie herrschende politische Strukturen im Haus populär machen wollen. Anstatt den Leuten die Idee der Selbstverwaltung zu vermitteln (d.h. ein Leben ohne Mehrheitsdiktat, ohne Ausbeutung, ohne Unterdrückung), sollen ihnen nun Parteien vorgestellt werden, die diesem Prinzip genau entgegenstehen. Aus diesem Grunde finden wir eine solche Veranstaltung im ‘Unser Haus‘ völlig fehl am Platze!
Mit dem Argument, es soll nicht der “Eindruck entstehen, dass nur staatsfeindliche Elemente das Flop besuchen“, sollen nun die bürgerlichen Parteien eingeladen werden. Es wurde sogar ernsthaft diskutiert, ob man die rassistische DVU und die rechtspopulistische ‘Schill-Partei‘ einlädt. Eine völlige Verachtung der Arbeit der antifaschistischen Gruppen. Weiter dabei eine ‘Leitkultur‘-CDU, die bei einem Wahlsieg mit der linksfeindlichen ‘Schill-Partei‘ koalieren will und die Flora bekämpfen möchte. Diese Partei wurde gerade vom Europarat dafür verantwortlich gemacht, dass sie zu einem rassistischen Klima in diesem Lande beiträgt.
Eine SPD die ein neoliberales Programm durchzieht und gegen dessen Vorsitzenden Schröder, von Teilen der ver.di, eine Klage wegen Volksverhetzung vorbereitet wird (auf Grund seiner Arbeitlose=Faulenzer Hetze). Die GRÜNEN, die die Ökonomisierung des Sozialen voll mit tragen. Die Partei der Besserverdienenden (FDP) sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Diese Veranstaltung würde das Flop nur weiter kommerzialisieren und den politischen Anspruch untergraben!
Solche und andere Parteien haben im Flop nichts zu suchen!!!
überlege jeder, dass er mir jedem Schritt, den er zum Wahllokal lenkt, sich öffentlich zur Erhaltung des kapitalistischen Staatssystems bekennt.“ (E. Mühsam)
Ein paar Gäste, ehemalige Mitarbeiter und staatsfeindliche Elemente
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jhz, 09.04.02