Fluchten
Auf der Suche nach der Mitte der Stadt.
Startpunkt ZOB: die Einfahrt zur Stadt. Hier soll man Ankommen; in Rotunden über den Autostrom wandeln wie über einen Krokodilsbach, so dachte die BV. Ausgeträumt. Vorerst steht man mittendrin. Pulsend sprüht das Bahnhofsmaul Passanten über Busse und Asphalt. Autos schieben - stinken. Eine Brücke bietet Flucht ins Einkaufszentrum. Hier stünde es gut, das UEC. Musikberieselt einkaufen, weil man sich nicht nach draußen traut. weiter.
Serrahn, es hätte ein Hafen sein sollen. Dort, wo man die Beine von der Kaimauer baumeln lässt und von der Ferne träumt. Umgekippte Häuser werfen schwere Schatten. Der Hafen, zum Ententeich verstellt. Vom Ponton schaut ein Holzmann bollernd gegen Beton: Stand gegen Stand. Wer sich hier hinein stürzt treibt nicht hinab ins Meer; er versinkt allenfalls im Schlick. Selbstmörder bevorzugen die S-Bahn. weiter.
Petri und Pauli, hier also soll es sein. Vergangenheit bietet Halt, wo Gegenwart entfremdet. Der geduckte, alte Bau sitzt da wie eine Glucke. Davor schon fast ein Platz. Menschen fließen vorbei. CCB, Sachsentor, CCB. Dazwischen die ewig geduldige Autoschlange aus der Schlossstraße. Das Eis schmeckt grau. Einfädeln: der Strom reißt mit. weiter.
Sachsentor.
Geschäfte kauern links und rechts der Straße. Handys, Bäcker, Parfumeure.
Kleine Zimmer an hohe Fassaden geheftet, lückenlos gefügt wie eine
Filmkulisse. Knochenbau - die Alten wussten wie's geht:
auf der einen Seite rein, auf der anderen mit Plastiktüten wieder raus.
Passage, nennt man das. Sind sie bereit zur Passage (Eintritt frei)? Auf geht's.
weiter.
Mohnhof. Hier war einmal der Marktplatz. Blaskapellen standen unter Laternen und spielten für die Heilsarmee. Heute weisen Schilder uns den Weg: so kommen Sie am schnellsten aus der Stadt: Lauenburg, Wentorf, Geesthacht. Fluchtwege. Ein Auto müsste man haben.
Wo
hat die Stadt ihre Mitte?
Ein runder Tisch in einer Küche.
(fmh)
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