Fettes Brot![]()
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Mit der Partyhymne "Nordisch By Nature" preschten drei
Hamburger Vorstadtkrokodile im Frühjahr '95 in die Top 20 der Charts. Von der aktuellen
CD "Außen Top Hits, innen Geschmack" kommt nun, nach "Jein" und
"Mal Sehen", der Roots-Reggae-Track "Silberfische in meinem Bett" als
Singleauskopplung auf den Markt. Am 22. Januar starten König Boris, Schiffmeister und
Doktor Renz in der Markthalle ihre Deutschland-Tournee. Keine Frage, "Fettes
Brot" sind derzeit die angesagteste German-Hiphop-Band der Republik. Kulturost sprach
mit Björn "Schiffmeister" Warns (23).
Kulturost: Diesen Monat Markthalle, nächstes Mal für weit über 30
Mark in der Alsterdorfer Sporthalle?
Schiffmeister: Auf keinen Fall. Auf der Tournee passen in keine Halle
mehr als 2 000 Leute und die Preise liegen zwischen 20 und 25 Mark. Das wird auch in
Zukunft so sein, weil Konzerte sonst keinen Spaß mehr machen. Ich weiß auch nicht, ob
diesmal überhaupt so viele Leute kommen werden.
Begleiten Euch andere Gruppen auf der Tournee?
Ja, wir sind mit verschiedenen Bands unterwegs. "Die massiven
Töne" aus Stuttgart werden die ganze Zeit dabei sein. Wir haben schon in Österreich
und in der Schweiz zusammengespielt. Das hat unheimlich Spaß gemacht.
Fettes Brot ist sehr erfolgreich. Sind die Musikerkollegen neidisch?
Von Neid würde ich nicht sprechen. Klar, es gibt manchmal Missverständnisse. Etwa weil einige Bands etwas über uns gehört haben, das dann gar
nicht gestimmt hat. Es ist eher so, daß befreundete Musiker mal nachfragen, wie wir mit
Verträgen umgehen oder was wir gegenüber der Presse betonen.
Seid Ihr eine Teenie-Band?
Nein, nicht ausschließlich. Viele Fans höre ich sagen:
"Eigentlich bin ich ein bisschen zu alt für diese Band - aber ich finde sie trotzdem
gut".
Mit dem Solo-Song "Mikrokosmonaut" hast Du Deine
unüberhörbare Leidenschaft für science-fiction-Filme verewigt. Bist Du ein echter
Trekkie?
Ja, ich bin absoluter und begeisterter Star-Trek-Fan. Die classics
kenne ich kaum, aber die meisten neuen Folgen. Eigentlich alle Neuen - um ehrlich zu sein.
Außerdem lese ich 'ne ganze Menge Comics und Sekundärliteratur über die Serie. Ich
renne allerdings nicht in diesen Uniformen herum und ziehe auch nicht meine
Lebensphilosophie aus Star Trek, wie andere das tun. Einen Filmsoundtrack zu machen fände
ich wunderschön. Durchgängiger Rap-Gesang wäre wohl schwierig, aber man kann ja auch
gute Instrumental-Musik in Richtung Trip Hop machen.
Welche Hobbys hast Du noch?
Computerspiele, Musik sowieso und gut Essen - mein Vater ist ein sehr
guter Koch. Zu Star Trek bestelle mir eher Pizza.
Was ist für Dich das Schönste an Eurem Erfolg?
So'n paar Sachen haben uns sehr viel Spaß gemacht und sind eine
schöne Erinnerung. Der einwöchige Videodreh zu "Jein" war super. Die
Möglichkeit nach Mexiko zu fliegen, um dort zu drehen und das wir uns soviel Geld für
ein Video leisten können war sehr beeindruckend. Sehr gefreut hat es uns auch, den
"Echo"-Preis zu gewinnen. Zu merken, Moment mal, wir werden von der
Plattenindustrie als ernstzunehmende Band wahrgenommen - mit den Sachen die wir gerne
machen wollen und die uns Spaß bringen.
Stichwort Politik. Habt Ihr als Musiker eine politische Message?
Eine "politische Band" sind wir bestimmt nicht, aber eine
grundsätzlich ehrliche, was die Themenauswahl angeht. Wir sind politische Menschen,
deshalb hat auch jedes Album politische, kritische Aspekte. Allerdings stellen wir uns
nicht auf die Bühne und verteufeln Nazis und Rassismus im Refrain. Es funktioniert mehr
zwischen den Zeilen.
Verabschiedet Ihr euch mit "Top Hits" von Eurer Jugend?
Es nervt, überall zu hören, das Fettes Brot erwachsen geworden ist.
Schwachsinn, wir werden neben ernsteren Songs weiterhin quatschige, alberne
Blödel-Rap-Songs machen. Das Album ist musikalisch ausgereifter, so sollte es auch sein.
Wenn man sich nicht irgendwie weiterentwickelt kann man gleich aufhören. Ob wir deshalb
erwachsen geworden sind weiß ich nicht. Das würde ja bedeuten, das wir in einem der
nächsten Alben als Opa-Rapper über unsere Rente reden.
Letztes Jahr habt Ihr noch verzweifelt einen Proberaum gesucht. Schon
was gefunden?
Ja, inzwischen brauchen wir aber keinen mehr. Ich bin umgezogen, Doktor
Renz und König Boris ziehen auch bald um. Nun steht unser Sampler bei mir Zuhause und es
ist genug Platz, um die Songs am Computer für das Studio vorzubereiten. Außerdem haben
wir in unserer gesamten Laufbahn nie geprobt.
Wie plant Ihr dann die Songs?
Im Auto. Wenn wir von Auftritt zu Auftritt fahren, unterhalten wir uns
über Inhalte, Strophen und wie lang das sein soll. Auf Kassette spielt einer den anderen
vor, was er mal gemacht hat - und wir gucken ob das passt. Bei "Jein", das für
uns zuerst nur ein Oberbegriff war, wollten wir einfach etwas über die Schwierigkeit
machen, möglichst schnell eine Entscheidung zu fällen. Als wir uns später noch mal
darüber unterhalten haben wurde schnell klar, das Beziehungskisten als einziges Thema
zutreffen. Jeder hat dann erzählt, worüber er gerne seine eigene, kleine Geschichte
schreiben möchte.
Arbeitet Ihr an einem neuen Longplayer?
Nein, da ist noch nichts geplant. Erst mal drehen wir ein Video zu
"Silberfische". Da freue ich mich schon drauf - das wird ein ziemlicher Hammer.
Danke für das Interview.