Castoralarm
in Bergedorf
Noch ist unklar, wann genau der nächste Castor kommt. Aber klar ist, wenn er rollt wird dies nicht ohne Widerspruch in Bergedorf und Geesthacht bleiben
* Demonstration am Vorabend des Transports * Treffpunkt 18.00Uhr HEW-Bergedorf
1998 stoppte die damalige Bundesumweltministerin Merkel (CDU) alle hochradioaktiven Atomtransporte. Der Grund: Eine Vielzahl von Kontaminationen an den Transportbehältern. Erst die neue Rot-Grüne Bundesregierung genehmigt seit vergangenem Jahr wieder Castortransporte. Besonders aufsehenerregend waren dabei seit jeher die Fahrten ins Zwischenlager nach Gorleben. Nicht weniger gefährlich oder weniger wichtig für den Betrieb der AKWs sind die Fuhren mit strahlenden Müll in die Wiederaufarbeitungsanlagen nach Franreich oder England..
Einen solchen Transport planen jetzt auch die Betreiber des AKW-Krümmel für Anfang März.
Die Lager in Krümmel sind randvoll mit Atommüll und der Betrieb des Skandalreaktors soll mit Genehmigung der Bundesregierung noch viele Jahre weitergehen. Deshalb stehen bereits seit Anfang des Jahres auf dem AKW-Gelände 3 Transportbehälter des Typs NTL 11. Sie sollen die gefährliche Fracht aufnehmen und auf Bahngleisen über Geesthacht, Bergedorf, Neuallermöhe, Tiefstaak, Rothenburgsort, Harburg und dann quer durch die Republik, Frankreich und England nach Sellafield bringen. Etwas ist besonders an diesen Transportbehältern: Im Gegensatz zu anderen wurden sie in der Praxis und nicht nur im Computer getestet. Bei einem Falltest wurden sie dabei jedoch so stark beschädigt, dass sie aus dem Verkehr gezogen werden mussten. In Krümmel werden sie nun zum ersten Mal wieder eingesetzt.
In der Bundesrepublik werden solche Transporte geheimgehalten. Trotzdem erfahren CastorgegnerInnen auch in Bergedorf von den gefährlichen Frachten, die durch die Vorgärten und Hinterhöfe des Bezirks geschmuggelt werden sollen. Seit Beginn der Atomtransporte durch den Stadtteil 1988 haben immer wieder Leute dagegen demonstriert und manch eine Aktion gestartet. Diese Transporte sichern nämlich den Weiterbetrieb des AKW-Krümmel, das eine Bedrohung für die gesamte Region darstellt. All die Risse in den Leitungen, die Pannen im Betrieb und der Pfusch am Bau zeigen: Auch dieses AKW ist nicht sicher. Mal ganz abgesehen davon, dass es gegen Flugzeugabstürze eh kaum gesichert ist und auch im Normalbetrieb immer mal wieder ein wenig hier und ein wenig da entweicht.
Von den Castortransporten gehen dazu noch weitere Gefahren aus. Bei einem schweren Unfall, würden weite Teile der Stadt Hamburg auf lange Zeit unbewohnbar, fand eine Studie im Auftrag der Umweltbehörde heraus. Eine erhöhte Strahlung ist aber auch schon in der Nähe eines jeden Transports zu messen. Dies kann vor allem für ZugbegleiterInnen ein Problem werden. Aber nicht zuletzt sollen die gefährlichen Frachten das wohl gravierenste Problem der Atombosse kaschieren. Der Müll wird noch Tausende von Jahren unendlich gefährlich bleiben. Nirgendwo auf der Welt gibt es ein Lager in dem er sicher aufgewahrt werden kann. Hunderte von Generationen wird ein unlösbares Problem vermacht, dass natürlich nicht aus der Welt geschaffen werden kann, in dem es immer wieder kreuz und quer durch Europa gekarrt wird.
Deshalb werden wie in den Jahren zuvor auch Anfang März wieder Leute gegen diese unnötige und unverantwortliche Gefährdung durch die Atomindustrie und speziell durch die Castortransporte demonstrieren. Sicher werden sie auch dieses Mal den Transport nicht verhindern können. Mit ihren Aktionen werden sie aber auf die Gefahren die damit verbunden sind aufmerksam machen und sie werden für einen sofortigen Ausstieg aus der unverantwortlichen Atomenergie demonstrieren
Am Vorabend des Transports wird um 18.00 Uhr eine Demonstration vor der HEW in der Bergedorferstraße starten. Auch dieses Jahr wird dieser Transport nicht ohne Widerspruch durch unseren Stadtteil stattfinden. Für die Zeit nach der Demo wird deshalb ein Infozelt auf dem Frascatiplatz geplant. Hier kann jeder und jede vorbeikommen sich informieren, die Protestierenden unterstützen oder vielleicht sogar an einer gewaltfreien Aktion an den Gleisen oder in der Innenstadt teilnehmen.
Achtet also auf Plakate, Zeitungsmeldungen und ähnliches und kommt zur Demo gegen den Castor. Aktuelle Infos findet ihr unter: http://www.Regenbogen-Hamburg.de oder direkt beim REGENBOGEN - für eine neue Linke Bergedorf unter 040/72697701.
Weitere Infos auch am 7.03. um 20.00 in der Lola.
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jhz, 09.04.02