kulturostKurz und Knapp aus der Bezirksversammlung

Das war ja mal ein ungewohnter Auflauf in der Bezirksversammlung: Auf der Rathaustreppe hatten sich einige Demonstranten zusammengehäuft, um den Damen und Herren Abgeordneten auf Bildern mit der Aufschrift "Keine neue Bausünde" ihre Meinung zum geplanten ZOB-Neubau zu verdeutlichen. Auch die öffentliche Fragestunde brachte diesmal ungewohnten BürgerInnenunwillen ans Licht und zwar nicht nur wegen des ZOB, sondern auch um sechs Kastanien willen, von denen man fünf vorerst aus dem Feuer holen konnte. Doch der Reihe nach: Da mögen deutsche Bomben auf Jugoslawien fallen oder deutsche Ausländer durch Glastüren, aber wer den Bürger so richtig aus dem Häuschen bringen will, der fälle einen Baum, und das am Besten direkt vor seiner Tür. So geschehen vor kurzem am Boberger Geesthang. Hier ließ Behördenwillkür kurzerhand Kastanienlaub und Bürgerherz erzittern und eine etwa 100jährige Kastanie zu Boden sinken, ehe sich Anwohner mutig zwischen diese und fünf weitere zum Fällen bestimmte Kastanien werfen konnten. Die zur Rede gestellten Arbeiter beteuerten Unschuld und verwiesen auf höhere Autoritäten, die einige Bürger nun im Bezirksparlament zu finden trachteten. Doch vergebens. Auch die Parlamentarier konnten nur auf das Garten- und Friedhofsamt verweisen, das solches Tun zu veranlassen und verantworten berufen sei. Dieses nun habe geantwortet, so wurde berichtet, es handele sich um Pflegemaßnahmen (Gelächter im Publikum), die im Rahmen der Wiederherstellung des umliegenden Parkes erforderlich und genehmigt seien. Allgemeine parlamentarische Hilflosigkeit (die werden schon wissen, was sie tun).

Nächster Punkt.ZOB. Oha. Die Bürgerwut kocht, zumindest die anwesende, die sich aber der Sympathie der schweigenden Mehrheit gewiss ist. Da lässt sich's gut kochen. Die Cuisine ist unterschiedlich, der Geschmack eindeutig: so nicht! Der Bergedorfer Bürger will nämlich den ZOB gar nicht, jedenfalls nicht so und nicht so schnell und überhaupt: passt uns nicht, will sagen: passt nicht ins Bergedorfer Stadtbild. Das Parlament schwankt zwischen Beleidigung und Zerknirschung. Wenn man was ändern will gehört eben auch etwas Mut und Pioniergeist dazu; kann ja nicht alles immer so bleiben (irgendwer mault immer); und außerdem habe man sich ja die ganzen Bürgerwünsche ans heiße Herz gedrückt und daraus ein Kriterienpapier gegossen, damit Hochtief noch mal nachbessern kann und den Zuschlag auch so richtig verdient. Da sind sich die Großen SPD und CDU einig. Flankiert noch links und rechts von der GAL, die besonders stolz auf das ihr zu verdankende einmalig demokratische Verfahren ist, und der DVU, die von diesem Jahrhundertprojekt nie nicht zurückweichen will. Soviel Einigkeit macht den Bürger skeptisch: wie ist denn das mit der Rotunde, die keiner will und doch im Kriterienkatalog steht? ("Der Ring ist ... in seiner jetzigen Form ein zentrales Gestaltungselement.") Nun wird das Parlament doch mürrisch. So doll sei das mit dem Widerstand ja gar nicht, hört man von der CDU, also im Vergleich mit damals, als die DVU das erste Mal, Wentorfer Straße gesperrt und so, da hatte man schon etwas mehr erwartet. Auch Protest muss heute eben was hermachen, wenn er gehört werden will. So wird's denn also beschlossen.

Des weiteren geht's wie immer viel um Verkehr und zuvor ein bisschen um Geld, denn vor den Verkehr hat der Herr das Geld gestellt (Tschuldigung, unguter Scherz meinerseits). Zur Debatte standen die Vorschläge aller (außer DVU) Fraktionen zur Vergabe der Bezirkssondermittel, nämlich 63,000 DM Betriebsmittel und 75,000 DM Investitionsmittel im Haushaltsjahr 99. Ich will nicht kleinlich sein, jeder hat halt so seine Prioritäten. Warum bei der CDU 2000,- DM für die CityPartner Stadtmarketing zur Erstellung einer Tourismusbroschüre drin sind aber 0,- DM für die Präsentation der "abgedreht"-Filmarbeiten der GSB will mir nicht ganz einleuchten und auch die 4500,- DM, die CDU und SPD jeweils für die "Sportlerehrung" ausgeben wollen, hätte ich wohl anders verwendet, aber na ja, jedem Tierchen ... Lustig in diesem Zusammenhang finde ich, daß sowohl CDU als auch SPD Riegels Gasthof trotz einer Antragssumme von 0,- DM gern 4000,- DM zukommen lassen möchten. Hätte wohl doch zur Miss Tanga Party gehen sollen.

Nun aber endlich zum Verkehr und zwar mit Vollgas, sonst nimmt das hier ja gar kein Ende mehr. Der neue S-Bahnhof soll nicht Allermöhe, sondern Neuallermöhe heißen, damit die Rettungsdienste nicht in Tüdel kommen (CDU). Handzeichen, Gegenprobe, so beschlossen. Im Sachsentor sollen die Geschäftsinhaber gefälligst den Schnee bis zur Mitte räumen und nicht bloß 1m vor ihren Schaufenstern (SPD). Handzeichen, Gegenprobe, so beschlossen. Leuschnerstraße, Korachstraße und Mendelstraße sollen Tempo 30-Zone werden (SPD/GAL). Handzeichen, Gegenprobe, so beschlossen. usw. Man verzeihe mir die Auslassungen, aber mein Kraft lässt nach. So long - FMH

 

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