Die „Böhsen Onkelz“ dürfen wieder als „berüchtigte rechtsradikale
Band“ bezeichnet werden!
Die Debatten darüber, ob die „Böhsen Onkelz“ rechtsradikal sind oder sich
von ihrer rechtsradikalen Vergangenheit gelöst haben, laufen schon seit vielen
Jahren. Für die einen gilt die Band, die Fürsprecher wie z.B. den Grünenpolitiker
Cohn-Bendit gefunden hat, als geläutert. Für die anderen handelt es sich
weiterhin um Musiker, die rechtsextremes Gedankengut propagieren und mit der
rechten Skinhead und Neonaziszene in Kontakt stehen.
Die Band ist mit der Geschichte der rechten Skinhead-Bewegung in Deutschland
direkt verknüpft und erlangte Anfang der 80er Jahre mit ihrem extrem
rassistischen und menschenverachtenden Stück „Türkenfotze“ in der
rechtsradikalen und neofaschistischen Szene schnell Kultstatus. In der Öffentlichkeit
versuchen sich die „Onkelz“ bereits seit längerer Zeit als geläutert
darzustellen.
So gehen sie auch gegen jede Veröffentlichung oder Äußerung, die sie als
rechtsradikal einstuft, gerichtlich vor und überhäufen die Presse mit Klagen
und einstweiligen Verfügungen. Die taz hat nunmehr gegen eine einstweilige Verfügung
der Band prozessiert, die ihr die Bezeichnung „berüchtigte rechtsradikale
Band“ untersagt hatte – und hat diesen Prozess gewonnen. Laut Urteil ist die
Titulierung als „berüchtigte rechtsradikale Band“ eine zulässige
Bezeichnung. In der Klageerwiderung wurde darauf hingewiesen, dass sich die „Böhsen
Onkelz“ nur vordergründig von ihrer rechtsradikalen Vergangenheit distanziert
haben, bei jeder Gelegenheit ihren Fans jedoch versichern, dass sie trotz des
Drucks der Öffentlichkeit im Kern die Alten geblieben seien. Das Festhalten am
Bandnamen sei ein Indiz dafür, dass sie mit ihrer rechtsradikalen Vergangenheit
nicht gebrochen haben. Darüber hinaus findet auch weiterhin eine Verbreitung
der Musik und Texte in rechtsextremen Kreisen statt.
In den Texten der „Onkelz“ ist eine Überhöhung des Männlichen und eine
Verherrlichung von Gewalt zu finden. Darüber hinaus propagieren die „Böhsen
Onkelz“ eine Wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Ideologie und beschimpfen fast die
gesamte Presse. Dies alles sind Punkte, die konstituierend für rechtsradikale
Gruppen sind. In der Klageerwiderung der taz wird dieser Zusammenhang wie folgt
dargestellt: „Klaus Theweleit hat in seinem Werk ,Männerphantasien' das
besondere Verhältnis des Faschismus zur Männlichkeit beschrieben.
Rechtsradikalismus ist nicht nur gekennzeichnet durch Kriegs-, Überlegenheits-
und Allmachtsphantasien seiner Anhänger, sondern auch durch ein autoritäres
Menschenbild, das von unterschiedlichen Wertigkeiten verschiedener Menschen
ausgeht. So ist kennzeichnend für faschistische Bewegungen, dass die Männlichkeit
eine besondere Bedeutung gewinnt, ein reaktionäres Geschlechterbild herrscht
und eine Zivilgesellschaft, die nicht vom Kampf geprägt ist, durch eine
Kriegsgesellschaft ersetzt werden soll.“ Und weiter: „Ohne
explizit-politische Parolen, ohne "Richtung", wird eine männlich-aktivistische,
soldatisch und egozentrische Mentalität bei der männlichen Fangemeinde
bedient. Man ist "entschlossen", irgendwie ständig im
"Kampf". Man vergisst zu sagen, wozu man entschlossen ist, wogegen man
kämpft. Hauptsache man ist entschlossen. Den alten rechten Fans, die auch
entschlossen sind, spricht man so aus dem Gemüt, ohne sie zu verprellen.“
(Die vollständige, sehr ausführliche Klageerwiderung ist unter taz.de
im Internet nachzulesen), So bleibt dieser männlich-kämpferische Grundtenor
der Texte auch weiterhin interessant für rechtsradikale Plattenvertriebe. Darüber
hinaus dienen Konzerte der „Onkelz“ als Treffpunkt z.B. von Mitgliedern der
rechtsextremen JN (Jungen Nationaldemokraten), da sie damit rechnen, dort auf
Gleichgesinnte zu stoßen. Darüber hinaus arbeiten die „Onkelz“ vielfach
mit einer Symbolik, die der nationalsozialistischen und neofaschistischen
Symbolik verwandt ist.
Dies alles sind Punkte, die nahelegen, dass sich die „Böhsen Onkelz“
keineswegs grundlegend von rechtsextremen Inhalten und Verbindungen zur
rechtsextremen Szene gelöst haben. Für die rechtsradikale Band ist das Urteil
jedenfalls ein herber Rückschlag bei ihrem Vorhaben, sich in der Öffentlichkeit
als geläutert darzustellen.
[ Lu ]
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jhz, 09.04.02