Altkleider – Was soll ich bloß damit tun?
Bei meinem letzten Umzug stand ich wieder mal vor der Frage: Was soll ich bloß
mit meinen ganzen Klamotten tun, die ich ja doch nicht mehr anziehe? In die
Altkleidersammlung? In den Müll? Oder was? Ich hatte nur gehört, dass die
Organisationen, die Altkleider sammeln, oftmals Geld damit machen und bei
Kleiderlieferungen in sog. Entwicklungsländer dort den einheimischen Markt
zerstören. Aber stimmt das auch? Gibt es dazu irgendwelche „gesicherten“
Erkenntnisse? Und vor allem, was soll ich sonst mit meiner alten Kleidung
machen? So habe ich angefangen, Literatur zu dem Thema zu durchforsten und bin
zu folgenden Ergebnissen gekommen:
In der Bundesrepublik werden jährlich mehrere hunderttausend Tonnen Altkleider
von gemeinnützigen Organisationen oder kommerziellen Betrieben gesammelt. (Übringens
ist in Deutschland der Verbrauch an Textilien weltweit am höchsten. Es werden
pro Person jährlich ca. 26 kg Kleider gekauft) Zumeist geben Menschen ihre alte
Kleidung ab, in der Hoffnung, dass sie Bedürftigen zu Gute kommt. Es landen
jedoch nur etwa zehn Prozent der abgegebenen Kleider bei Bedürftigen. Die
restlichen neunzig Prozent landen zum einen in hiesigen Second-Hand-Läden zum
anderen in sog. Entwicklungsländern. Das Beste der Altkleider wird zu einem
Verkaufspreis von 6000 bis 10 000 DM pro Tonne an die Second-Hand-Läden
verkauft. Die zweite und dritte Wahl wird in sog. Entwicklungsländern für
Gutes Geld verscherbelt. Dadurch wird das dort ansässige Handwerk und die
lokale Textilindustrie ins Abseits gedrängt, weil sie mit dem Angebot, das
durch die Altkleider der reichen Industrieländer ins Land kommt, nicht
konkurrieren können. Die importierte Kleidung ist vielfach billiger als die
einheimisch produzierte. Vor allem in afrikanischen Ländern hat die
Gebrauchtkleidung aus Deutschland dafür gesorgt, dass zigtausende
TextilarbeiterInnen in den letzten Jahren ihren Job verloren haben. Nach Schätzungen
trägt etwa ein Drittel der AfrikanerInnen südlich der Sahara
Second-Hand-Kleidung aus Europa. Die wirklich Bedürftigen können sich die
importierten Kleider jedoch noch nicht einmal leisten.
Wenn jemand also einen Altkleider-Sack auf die Straße stellt, wird dieser höchstwahrscheinlich
an Sortierfirmen verkauft (für 600,- bis 800,- DM pro Tonne). Bei einer
Sammlung der Altkleider durch karitative Organisationen werden diejenigen der
gesammelten Kleider, die gerade bei einer Katastrophenhilfe benötigt werden,
dorthin transportiert, der Rest wird an die Altkleiderverwerter verkauft. Das
daraus erhaltene Geld wird – nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes –
verwendet, um andere humanitäre Aufgaben zu finanzieren. Die kommerziellen
Anbieter verkaufen selbstverständlich direkt an die Sortierfirmen. Bei den
kommerziellen Altkleider-Abholern ist noch zu bedenken, dass einige die Symbole
von karitativen Organisationen – wie z.B. das Rote Kreuz – nachahmen. Außerdem
geben karitative Organisationen manchmal gegen ein geringes Entgeld ihren
„guten“ Namen für Sammlungen oder auch Altkleider-Container her. Darüber
hinaus wurde immer wieder die Erfahrung gemacht, dass Altkleider-Säcke in der
Nacht vor ihrer Abholung von der Straße gestohlen wurden. Wenn jemand seine
Altkleider von karitativen Organisationen abholen lassen möchte, sollten die
Altkleider-Säcke möglichst erst morgens rausgestellt werden. Man sollte jedoch
darauf achten, dass die sammelnden Organisationen, dem Dachverband
„Fair-Wertung“ angeschlossen sind. Die Vermarktung über diesen Dachverband
unterliegt strengen Kriterien, der Verbleib der gesammelten Kleidung wird vollständig
offengelegt. Es wird dabei überprüft, ob und wo Kleiderexporte Schäden
anrichten können. Für Afrika wurde erreicht, dass nur noch zehn Prozent der
gesammelten Kleider dorthin geliefert werden.
Eine andere Möglichkeit, mit seinen alten Kleidern umzugehen, besteht darin,
diese direkt beispielsweise zum Roten Kreuz zu bringen, da sie dann nicht
weiterverkauft werden, sondern in den Kleiderkammern landen. Dort können Bedürftige
kostenlos Schuhe, Kleidung, Bettwäsche etc. erhalten. Es gibt auch die Möglichkeit,
seine alte Kleidung direkt bei Obdachloseninitiativen abzugeben, beispielsweise
beim Obdachlosentreffpunkt im ehemaligen Hafenkrankenhaus. Auch städtische und
kirchliche Einrichtungen sowie örtliche Wohlfahrtsverbände sammeln auf diese
Art und Weise.
Außerdem gibt es die Möglichkeit, gezielt für humanitäre Einsätze z.B. in
Katastrophengebieten zu spenden. Oder auch einfach Freunde zu fragen, ob sie
etwas von den alten Klamotten gebrauchen können oder auf Flohmärkten zu
versuchen, einiges davon loszuwerden.
In vielen Artikeln, die ich gelesen habe, bin ich auch auf den Punkt gestoßen,
das eigene Konsumverhalten zu überprüfen. Wenige qualitativ hochwertige Stücke
kommen vielfach günstiger als viele billige Klamotten. Oder öfter mal in
Second-Hand-Läden kaufen. Es gibt doch viele Möglichkeiten.
Ich habe meine alte Kleidung zur Obdachloseninitiative im Hafenkrankenhaus
gebracht und mir vorgenommen, in Zukunft einfach nicht mehr ständig neue Sachen
zu kaufen. [ Lu ]
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jhz, 09.04.02